📊 Bin ich normal?
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🧠 Mental Health

Dissoziiere ich?

75 % dissoziieren gelegentlich — chronische Dissoziation signalisiert etwas Tieferes.

Bewerte jede Aussage von 1 (stimme gar nicht zu) bis 5 (stimme voll zu). Dein Ergebnis aktualisiert sich live.

1Die Welt um mich herum fühlt sich häufig unwirklich oder traumhaft an, als ob ich durch einen Nebel schaue.
2Ich schaue in den Spiegel und erkenne manchmal die Person, die zurückstarrt, nicht wieder.
3Ich drifte so völlig ab, dass ich den Überblick über Zeit, Ort oder was ich gerade tat, verliere.
4Ich fühle mich, als beobachte ich mich selbst von außerhalb meines Körpers, als ob ich einen Fremden betrachte.
5Meine Erinnerungen fühlen sich manchmal an, als wären sie jemand anderem passiert, nicht mir.
6Ich laufe stundenlang auf „Autopilot“ — fahre, arbeite oder rede — ohne wirkliches Bewusstsein.
7Ich habe Schwierigkeiten, Emotionen zu fühlen, selbst wenn ich weiß, dass ich etwas fühlen sollte.
8Ich bin körperlich anwesend, aber geistig abwesend — als ob mein Körper hier ist, aber mein Geist woanders.
9Ich kann mich nicht an bedeutende Teile meines Tages erinnern und habe keine Ahnung, wo die Zeit geblieben ist.
10Ich fühle mich von meinen eigenen Gedanken und Gefühlen abgetrennt, als gehörten sie jemand anderem.

Was ist Dissoziation?

Dissoziation ist eine Abtrennung zwischen Gedanken, Identität, Bewusstsein und Gedächtnis. Sie existiert auf einem Spektrum — von normalen Alltagserfahrungen (Autobahn-Hypnose, Tagträumen in Meetings) bis zu klinischen Zuständen wie der Dissoziativen Identitätsstörung (DIS). Die Dissociative Experiences Scale (DES), entwickelt von Bernstein und Putnam, ist das am häufigsten eingesetzte Screening-Instrument für dissoziative Symptome und bildet die Grundlage für die Struktur dieses Quiz.

Das Dissoziations-Spektrum

  • Normale Dissoziation: Tagträumen, Vertieftsein in ein Buch oder einen Film, „Autobahn-Hypnose“ — erlebt von fast jedem
  • Stressbedingte Dissoziation: Abdriften bei Streit, emotionale Taubheit nach schlechten Nachrichten, „Autopilot“-Gefühl in Stressphasen
  • Traumabedingte Dissoziation: Chronische Derealisation, Depersonalisation, Amnesie für Ereignisse, Identitätsfragmentierung — der Notschalter des Geistes für unerträgliche Erfahrungen
  • Dissoziative Störungen: DPDR (Depersonalisations-Derealisationsstörung), Dissoziative Amnesie, DIS — wenn Dissoziation dauerhaft und beeinträchtigend wird

Dissoziation als Trauma-Reaktion

Wenn Kampf-oder-Flucht versagt — wenn du vor einer Bedrohung weder fliehen noch sie überwältigen kannst — aktiviert das Nervensystem seine letzte Verteidigung: Abschaltung. Dissoziation ist der Geist, der den Körper verlässt, um das zu überleben, dem der Körper nicht entkommen kann. Bei Kindheitstraumata, wo Kampf und Flucht selten Optionen sind, wird Dissoziation oft zum primären Bewältigungsmechanismus. Das Problem: Das Gehirn hört nicht auf, diese Strategie zu nutzen, wenn die Gefahr vorbei ist.

Drei Subskalen in diesem Screening

  • Derealisation (Fragen 1-3): Die Welt fühlt sich unwirklich, traumhaft oder verzerrt an — als schaue man durch Glas auf die Realität
  • Depersonalisation (Fragen 4-7): Abtrennung vom Selbst — Außerkörpererfahrungen, emotionale Flachheit, Erinnerungen gehören „jemand anderem“, Autopilot-Modus
  • Emotionale Taubheit (Fragen 8-10): Anwesend-aber-abwesend-Erleben, Zeitlücken, Abtrennung von eigenen Gedanken und Gefühlen

Wann Abdriften klinisch wird

  • Dissoziative Symptome, die den Alltag beeinträchtigen (Arbeit, Beziehungen, Selbstfürsorge)
  • Anhaltende Derealisation oder Depersonalisation über Wochen oder Monate, nicht nur Momente
  • Erinnerungslücken für bedeutende Lebensereignisse, nicht nur alltägliche Aufgaben
  • DES-Werte über 30 (von 100) gelten als klinisch signifikant und rechtfertigen eine professionelle Abklärung

Grounding-Techniken

  • 5-4-3-2-1-Methode: Benenne 5 Dinge, die du siehst, 4, die du hörst, 3, die du berühren kannst, 2, die du riechst, 1, das du schmeckst
  • Kaltes Wasser: Kaltes Wasser ins Gesicht spritzen oder Eis halten aktiviert den Tauchreflex und bringt dich zurück in deinen Körper
  • Bilaterale Stimulation: Abwechselndes Klopfen auf Knie oder Arme aktiviert beide Gehirnhälften
  • Starke sensorische Reize: In eine Zitrone beißen, ein Gummiband schnappen lassen oder ätherische Öle riechen
  • Orientierungsreaktion: Langsam den Kopf drehen und Gegenstände im Raum benennen — signalisiert dem Nervensystem „Ich bin hier, ich bin sicher“

Klinischer Hinweis: Dieses Screening ist pädagogisch, nicht diagnostisch. Wenn du im hohen Bereich liegst, erwäge eine Beratung bei einem Fachmann für dissoziative Symptome. Chronische Dissoziation weist oft auf unverarbeitetes Trauma hin, das gut auf spezialisierte Therapie anspricht (EMDR, Innere Familiensysteme, Sensorimotor Psychotherapy).

Quellen: Bernstein & Putnam (1986, DES), Van der Kolk (2014, The Body Keeps the Score), International Society for the Study of Trauma and Dissociation (ISSTD) Richtlinien.